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Internationaler Tag der Suizidprävention

14:30

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zum assistierten Suizid gefährdet die suizidpräventive Arbeit auch im Rahmen der Hospiz- und Palliativarbeit im Saarland.

Im Februar hat das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) das Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Suizidbeihilfe außer Kraft gesetzt (§ 217 StGB) und mit seinem Urteil einer Liberalisierung der Suizidhilfe den Weg geebnet, welche in ihrer Radikalität selbst von den Befürwortern nicht erwartet worden war. Zum Internationalen Tag der Suizidprävention am 10. September weist der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband (DHPV) darauf hin, dass der mit dem Urteil des BVerfG zu erwartende erleichterte Zugang zum assistierten Suizid die suizidpräventive Arbeit auch im Rahmen der Hospiz- und Palliativarbeit gefährdet. Auch im Saarland ist diese Arbeit, die wir als St. Jakobus Hospiz leisten, damit stark gefährdet.

Prof. Winfried Hardinghaus, Vorsitzender des DHPV sagt dazu: „Alle in der Hospiz- und Palliativarbeit tätigen Menschen wissen, dass ein Suizidwunsch von Schwerkranken häufig mit der Angst vor Schmerzen und belastenden Symptomen, vor Einsamkeit und Apparatemedizin sowie der Angst, auf Hilfe angewiesen zu sein und seinen An- und Zugehörigen zur Last zu fallen, begründet wird.“

Dies deckt sich mit den Erfahrungen und Forschungsergebnissen der Suizidprävention, wonach Suizidwünsche ambivalent sind und als Wunsch nicht nach einem zügigen Tod, sondern nach Verbesserung der aktuellen Situation verstanden werden müssen. Nach dem Urteil, das auch die Werbung für die Suizidbeihilfe möglich macht, steht für den DHPV wie auch für uns zu befürchten, dass das genaue Hinhören und die einfühlende Begleitung von schwerstkranken und sterbenden Menschen einer Pragmatik der vermeintlich unkomplizierten, schnellen und endgültigen Lösung weichen wird.

Dabei bietet die Hospizarbeit und Palliativversorgung des St. Jakobus Hospiz schon heute umfassende Möglichkeiten zur Unterstützung eines würdevollen, weitgehend beschwerdefreien, durchaus selbstbestimmten und eher am natürlichen Ablauf ausgerichteten Sterbens. Diese Möglichkeiten müssen in der Öffentlichkeit noch bekannter werden.

Besondere Sorge bereitet die hohe Zahl an älteren Menschen, die Suizid begehen. Obwohl die Suizidrate in Deutschland in den letzten Jahrzehnten um die Hälfte abgenommen hat, steigt sie bei Senioren stetig an.

„In einer Gesellschaft des langen Lebens, in der die Zahl der auf fremde Hilfe angewiesenen Menschen ebenso zunimmt wie die Angst, dass für einen nicht gesorgt sein wird, in einer Zeit, die von Zeitknappheit und Mobilität geprägt ist, müssen die Voraussetzungen für die Sorgekultur der Gesellschaft in den Vordergrund der politischen und gesellschaftlichen Bemühungen gerückt werden“, so Hardinghaus. „Wir müssen alle gemeinsam an einer gesamtgesellschaftlichen Kultur der Wertschätzung gegenüber kranken und sterbenden Menschen arbeiten, statt den Zugang zur Suizidbeihilfe zu erleichtern.“

 

Aktuelle Zahlen
Im Jahr 2018 sind in Deutschland 9396 Menschen durch Suizid gestorben. Die Suizidrate und das Suizidrisiko steigen dabei mit dem Lebensalter (das sog. „Ungarische Muster“). In allen Altersgruppen sterben deutlich mehr Männer durch Suizid als Frauen. Beträgt die Suizidrate, d.h. die Suizide pro 100.000 Einwohner, 2018 bei 20 bis 25jährigen Männern noch 11,4 (Frauen 2,8) steigt sie bei den 85 bis 90jährigen Männern auf 77,9 (Frauen 12,4). Bei den über 90jährigen Männern steigt die Suizidrate auf 90,3. (Quelle Statistisches Bundesamt)

» Weitere Zahlen des Statistischen Bundesamtes

» Weitere Informationen zur aktuellen Suizidstatistik auf der Seite Nationale Suizidpräventionsprogramm für Deutschland (NaSPro)

 

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