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Nachlese Saarbrücker Hospizgespräch Oktober 2019

Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit - Gedanken aus palliativmedizinischer Sicht

Heike Kaden, Pflegleitung SAPV-Team Saarbrücken, und Dr. Werner Reichert, Ärztliche Leitung SAPV-Team Saarbrücken, zeigten beim vergangenen Hospizgespräch auf, inwieweit eine Entscheidung von Patienten zum freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit (kurz: FVNF) die letzte Lebensphase beeinflusst und prägt.

Die Thematik des FVMF rückt unter dem Aspekt der Selbstbestimmung am Lebensende häufiger in den Fokus öffentlicher Debatten. Eine größere Anzahl von Ärzten haben Patienten in diesem Lebensabschnitt begleitet. Die Entscheidung zum FVNF wird teilweise bereits in einer Patientenverfügung festgehalten und soll den Betroffenen aus ihrer Sicht den Sterbeprozess erleichtern. Die Themen Hoffnungslosigkeit, Autonomieverlust sowie die Angst anderen zur Last zu fallen, treibt die Betroffenen oft zum sogenannten Sterbefasten. Die Frage nach der Abgrenzung zum Suizid wird hier berechtigterweise gestellt.
Der FVMF kann Parallelen zum Suizid aufwerfen, ist aber dennoch keine Selbsttötung im eigentlichen Sinn, vielmehr ein sich ergeben in sein Schicksal in Anbetracht des bevorstehenden Todes. Frau Kaden zeigte vor allem die Problematiken auf, die im pflegerischen Umfeld auftreten. Die Patienten müssen besonders gut gelagert werden und es bedarf einer sehr guten Mundpflege. Hier ist es auch durchaus erwünscht, Betroffenen beispielweise mit in ihrem Lieblingsgetränk getauchten Wattestäbchen den Mundraum zu befeuchten, um die Mundschleimhäute zu pflegen.

Das SAPV-Team aus Saarbrücken nimmt sich auch besonders viel Zeit für die Angehörigen, die oftmals stark gefordert  sind mit dem Durchleben dieses Prozesses. Was ihnen bewusst gemacht werden muss, ist vor allem, dass sie damit eine Zeit zum Abschied nehmen geschenkt bekommen und ihre Lieben ein Stück begleiten dürfen in der letzten Lebensphase. Denn auch für die Patienten ist dies kein leichter Weg. Sie durchleben den Sterbeprozess ohne die Dauer beeinflussen zu können.
Für beide Referenten war es jedoch besonders wichtig, dass der Wunsch jedes einzelnen voll und ganz respektiert werden muss, auch wenn es für die Angehörigen vielleicht nicht immer nachvollziehbar ist.

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