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Nachlese Hospizgespräch November 2016

Los lassen - Neubeginn

Buchautorin Petra Marion Kunschert sprach in ihrem Vortrag beim Saarbrücker Hospizgespräch vor mehr als 60 Teilnehmern über die Themen „Loslassen“ und „Neubeginn“, die unser Leben von der Geburt bis zum Tod begleiten. Die einzige Sicherheit, die wir bereits bei der Geburt haben, ist, dass wir sterben werden. Auch sie habe kein Patentrezept dafür, wie man Herausforderungen annehmen und sich auf etwas Neues einlassen kann. Es ist keine Wissenschaft vielmehr der gesunde Menschenverstand, der die Grundlage für die Entscheidung „los zulassen“ bildet. Loslassen bedeutet dabei, den Mut zu haben, sich auf etwas Neues oft Unbekanntes einzulassen. Dies ist nicht selten mit Angst oder zumindest mit einem „mulmigen“ Gefühl verbunden. Gerade das „letzte“ Loslassen nämlich der Tod bereitet uns Angst, weil wir nicht wissen, was es mit uns macht. Angst kann blockieren - doch will ich mein Leben wirklich davon dominieren lassen? Schicksalsschläge können eine Chance sein mit der eigenen Kraftquelle in Verbindung zu kommen und den Neubeginn zu wagen, um ein stückweit wieder frei zu werden. Nach dem Trennungsschmerz, der uns oft an unsere Grenzen bringt, können wir mit der Zeit die Liebe in uns spüren. Dieser Liebe können wir einen neuen Raum geben und damit den Neubeginn zulassen. Es liegt dabei an uns selbst, wie dieser Neubeginn aussieht und ob „unser Glas halb voll oder halb leer“ ist. Auf die Frage nach dem Lebenswunsch werde oft die Zufriedenheit genannt. Aber nur wer mit sich im Reinen ist, kann diesen inneren Frieden finden. Auch ein schwerstkranker Mensch, in palliativer Versorgung, kann zufrieden sein, wenn er seine eigene Kraftquelle gefunden hat. Denn nicht nur die Menschen, die „zurückbleiben“, müssen sich mit dem Los lassen auseinandersetzen, sondern auch die Menschen, die gehen. Mit dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse schloss die Referentin ihren tiefsinnigen Vortrag und stellte sich den interessierten Fragen der Teilnehmer.

Saarbrücken 28.11.2016