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Nachlese Saarbrücker Hospizgespräch Januar 2019

Im Rahmen des Saarbrücker Hospizgesprächs im Januar gab Judith Köhler, Leiterin des St. Barbara Hospiz Bous, Einblicke zum Thema der Spiritualität in der Sterbebegleitung mit der Auswirkung auf die Palliative Versorgung

Am Lebensende spitzen sich die Herausforderungen des Lebens zu. Verlust der Autonomie, Hilflosigkeit, Abhängigkeit, Achtung der Würde, all das sind Fragestellungen, die den Schwerstkranken auf seiner letzten Reise beschäftigen.
Hier hilft es die spirituellen Bedürfnisse des Sterbenden zu erkunden, um aus ihnen eine bewusste Ressource werden zu lassen. Damit hat der Patient die Möglichkeit, seine Krankheit und das Sterben besser zu verarbeiten.

Wie kann die Spiritualität zur Sprache gebracht werden und wer ist überhaupt für Spiritual Care im Sinne einer „mentalen Zuwendung“ zuständig?
„Ein Mangel an Freiwilligen für Spiritual Care gibt es nicht“, weiß Judith Köhler aus der Praxis zu berichten. „Denn Spirituelle Care ist keine planbare Technik, sondern braucht wechselseitiges Vertrauen. Es ist dabei unerheblich ob der Sterbende dieses Vertrauen zu einem Seelsorger, einem Ehrenamtlichen, einem Sozialarbeiter oder zur Reinigungskraft aufbaut.
Jeder kann Spirituelle Care“, betont sie. Der sterbende Mensch sucht sich seinen Gesprächspartner selbst aus. Ein Sterbebegleiter muss aber auch respektieren können, wenn ein Mensch beim Sterben niemanden an seiner Seite haben will.
Das Erleben einer Krankheit und das Sterben sind so verschieden wie die Kranken und Sterbenden selbst. Deshalb kommt es auch häufig zu unterschiedlichen Wahrnehmungen des Sterbeprozesses bei Patient und Angehörigen. Der Glaube kann das Sterben erleichtern, was aber nicht bedeutet, dass Menschen, die keiner Religion zugehören und sich selbst nicht als spirituell bezeichnen, zwangsläufig schwerer sterben müssen. Deshalb muss Spirituelle Care in den modernen Gesellschaften im Respekt vor der Entwicklung und dem Selbstverständnis individueller Menschen gründen.

„Sterben ist ein Prozess, der sich letztlich trotz aller Vorbereitungen, aller Regulierungsversuche und aller Sterbekunst der Kontrolle und Garantie entzieht“, schließt Judith Köhler ihren Vortrag ab und stellt sich den Fragen der zahlreichen Besucher.