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Nachlese Saarbrücker Hospizgespräch Oktober

Hoffnung- ein Drahtseilakt

Klaus Aurnhammer, Dipl. Theologe und Seelsorger der Palliativstation der Marienhausklinik in Saarlouis, erlitt 2016 während einer Radtour einen Herzinfarkt und einen Schlaganfall.
Die Ersthelfer vor Ort waren – Zufall oder Gottes Fügung? – eine Intensivschwester und ein Kardiologe, die ihn 35 Minuten reanimierten und ihm damit das Leben retteten.

Sein Vortrag lässt die Besucher in seine innersten Gefühle und Gedanken eintauchen.
Gestützt von Zitaten und Bildern seiner Frau und seiner Freunde beschreibt er den schweren Weg zurück ins Leben. Die niederschmetternde Diagnose eines frontalen Hirnschadens stürzte seine Familie und Freunde zunächst in ein Tal der Hoffnungslosigkeit.
Nach Intensivstation und neurologischer Frührehaklinik fehlen ihm komplett vier Wochen aus dieser Zeit, sinniert er. Doch plötzlich war er wieder da und die Erleichterung groß, dass sein Gedächtnis noch funktionierte, erinnert er sich rückblickend.
Trotzdem war es zu Schädigungen gekommen, die die motorischen Fähigkeiten beeinträchtigten. In seiner ihm unnachahmlichen, humorvollen Art schildert er, wie er so banale Dinge wie Schuhe binden oder Anziehen neu erlernte. Mit Unterstützung von Therapeuten und unermüdlichen Üben schaffte er es, sich diese alltäglichen  Handgriffe wieder anzueignen.
Zusätzlich waren seine Lese- und Schreibkompetenz in Mitleidenschaft gezogen worden. Deshalb blieben auch  Enttäuschungen nicht aus, besonders wenn er dachte, im Genesungsprozess schon weiter zu sein, als er tatsächlich war. Dabei lag das Problem darin, dass seine eigene Wahrnehmung eher Schein als Sein war, schmunzelte er.
Diese Erkenntnis warf ihn in seiner Hoffnung zurück und er begann intensiv mit der Meditation. Es gab ihm Ruhe und Kraft, die Hoffnung aus seinem Innersten zu nähren. Der Wunsch ins Berufsleben zurückzukehren wuchs und bereits im Februar diesen Jahres nahm er seine Arbeit – vorerst mit einer Wiedereingliederungsmaßnahme – auf.

Die neu gemachten Erfahrungen haben ihn im Umgang mit seinen Patienten nochmals gestärkt, betont er.
Ich kann förmlich riechen, wenn es bei einem Palliativpatienten neben der Hoffnungslosigkeit auch nur das kleinste  Fünkchen Hoffnung gibt. Dort kann ich den Menschen abholen und das Gespräch mit ihm suchen, so Aurnhammer.

Ich kann sagen, dass 2016 das erfolgreichste Jahr in meinem Leben war, schließt er seinen sehr persönlichen Vortrag vor über Hunderten von Zuhörern ab.